Montag 23. Oktober 2017
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TAGUNG | Flucht u. Integration in Europa

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Katholische Aktion (KA) ist die offizielle Laienorganisation der katholischen Kirche in Österreich.

In Verbundenheit mit den Bischöfen verwirklicht sie den Sendungsauftrag der Kirche.

 

In der KA engagieren sich Kinder, Jugendliche, Frauen und Männer gemäß ihrer Berufung als Christinnen und Christen.


Katholische Aktion - die Radikalität des Evangeliums in der Normalität des Alltags leben!

 

Aktive Sterbehilfe für Kinder kündigt die Menschlichkeit auf

KAÖ-Präsidentin Schaffelhofer: Neue Regelung in Belgien ist ungeheurer Vertrauensbruch zwischen Eltern und Kinder – KJÖ-Geschäftsführer Kurucz: Aktive Sterbehilfe muss in Österreich verboten bleiben – KJSÖ-Vorsitzender Kreuzriegler: Kein Signalcharakter für Europa

 

Als massiven Angriff auf die Menschlichkeit und ungeheuren Vertrauensbruch zwischen Eltern und Kindern hat die Katholische Aktion Österreich (KAÖ) die Zulassung aktiver Sterbehilfe an Minderjährigen und Kindern in Belgien verurteilt. „Auf den Beschluss des belgischen Parlaments vom Donnerstag kann man nur mit Entsetzen reagieren“, erklärte KAÖ-Präsidentin Gerda Schaffelhofer am Freitag. Sie erinnerte an das Wort von Kardinal Franz König, „Menschen sollen an der Hand eines anderen Menschen sterben und nicht durch die Hand eines anderen Menschen“.

 

Wenn Kinder Unterstützung und Hilfe brauchen, greifen sie meist nach der Hand eines vertrauten Erwachsenen, so Schaffelhofer: „Wenn das belgische Parlament nun zulässt, dass eine solche Hand auch töten kann, dann ist das in meinen Augen ein ungeheurer Vertrauensbruch zwischen Eltern und Kindern, dessen Folgen gar nicht abschätzbar sind.“ Denn sterbenskranke Kinder bzw. Minderjährige könnten sich noch viel weniger als Erwachsene dem Gefühl widersetzen, sie würden mit ihrer Krankheit und ihrem hohen Bedarf an Zuwendung und Pflege den Angehörigen „zu Last fallen“.

 

Belgien ist weltweit das erste Land, das für aktive Sterbehilfe keine Altersgrenze mehr vorgibt. In der Abgeordnetenkammer stimmten 86 Parlamentarier für und 44 gegen die Vorlage, 12 Abgeordnete enthielten sich. Minderjährige können – theoretisch ab der Geburt – von Ärzten getötet werden, wenn sie „unheilbar krank“ sind, „unerträglich leiden“ und wenn die Eltern des Kindes der Sterbehilfe zustimmen. Heftig umstritten bleibt auch nach der Abstimmung ein weiteres Kriterium, das als Voraussetzung für die Anwendung aktiver Sterbehilfe gilt: die „Urteilsfähigkeit“ des Kindes. Laut dem Gesetz muss ein Psychologe bezeugen, dass der betroffene Minderjährige "Urteilsfähigkeit" besitzt und in der Lage ist, die Entscheidung zum Sterben zu fassen.

 

„An Zynismus nicht zu überbieten“

 

Eine solche Regelung und Argumentation ist „an Zynismus nicht zu überbieten“, stellte KAÖ-Präsidentin Schaffelhofer fest. Die belgischen Bischöfe haben es als nicht nachvollziehbar bezeichnet, dass Minderjährige aus zivilrechtlichen Gründen weder heiraten noch ein Haus kaufen könnten, ihnen aber bei einer Entscheidung über Leben oder Tod ein entsprechendes Urteilsvermögen zugetraut werde. „Und nun soll ein unheilbar krankes Kind selbst entscheiden, ob es weiterleben will oder nicht. Hat einer der Befürworter dieses Wahnsinns darüber nachgedacht, in welche seelischen Komplikationen und Abgründe allein eine solche Frage ein Kind stürzt“, erklärte Schaffelhofer: „Angesichts solcher Regelungen frage ich mich, welches Verständnis manche Ärzte und Psychologen von ihrem Beruf noch haben. Wollen sie vielleicht in Zukunft bereits am ersten Schrei eines neugeborenen Kindes erkennen, ob es nun leben will oder nicht?“

 

Im vergangenen Herbst hatten 16 belgische Kinderärzte einen Appell für die aktive Sterbehilfe an Kindern veröffentlicht, mit der Begründung, die jungen Kranken seien „manchmal fähiger als gesunde Erwachsene, über das Leben nachzudenken". 39 Kinderärzte widersprachen in einem offenen Brief, in dem es hieß, dass es "nicht die geringste objektive Methode" gebe, um die geforderte Urteilsfähigkeit festzustellen.

 

Ebenso schwammig ist das Kriterium des „unerträglichen Leidens“, gibt Schaffelhofer zu bedenken. Es gibt heute – wie Ärzte versichern – entsprechende Medikamente, bei unheilbar Kranken die Schmerzen zu lindern. Daher sind es – so Schaffelhofer - wohl in den meisten Fällen manche Angehörige sowie Betreuer, die sich schwer damit tun, Leid und Krankheit anzunehmen – und nicht die kleinen Patienten selbst. „Der seelische Schmerz, das eigene Kind dem Tod geweiht zu sehen, bringt Eltern an die Grenzen des Erträglichen. Aber die Antwort, die die Gesellschaft darauf gibt, kann nicht die aktive Tötung des Kindes sein, sondern nur Begleitung und Beistand“, unterstrich Schaffelhofer.

 

Mittelfristig werde zudem der Druck auf betroffene Eltern steigen, ihren Kindern zu aktiver Sterbehilfe zu raten  - so wie es heute etwa bereits den Druck auf Schwangere gibt, keine behinderten Kinder zur Welt zu bringen, warnte Schaffelhofer. Den Zwiespalt und die seelische Belastung, die ein solcher Druck für Eltern bedeutet, könne sich jeder ausmalen.

 

Kurucz: „Wohl der Kinder oberstes Gebot“

 

Ähnliche äußerte sich der Bundesgeschäftsführer der Katholischen Jungschar Österreichs, Alexander Kurucz: „Das Wohl der Kinder muss oberstes Gebot unserer Gesellschaft sein! Kinder sind in vielen Fällen stärker und könne Leiden besser ertragen als wir Erwachsenen –vor allem, wenn sie durch Mensch in ihrer Umgebung unterstützt werden. Bei uns steht das Wohl der Kinder in der Mitte – wir wollen, dass Kindern in schwerer Krankheit jede menschliche und medizinische Unterstützung gegeben wird, auch wenn es von uns Erwachsenen viel abverlangt.“

 

Belgien verabschiede sich mit dem geplanten Gesetz "von den gemeinsamen humanitären Werten in Europa“, so die KAÖ-Präsidentin. Das belgische Beispiel lehre, wohin es führt, wenn das menschliche Leben einmal zur Disposition gestellt ist, sagte Schaffelhofer im Blick auf die Tatsache, dass Belgien zusammen mit den Niederlanden das erste Land weltweit war, dass aktive Sterbehilfe zugelassen hat. Bisher haben sich dem weltweit nur noch Luxemburg und der US-Bundesstaat Oregon angeschlossen. Über diese Länder hinaus ist nur in der Schweiz, in Deutschland und im US-Bundesstaat Washington der „assistierte Selbstmord“ unter bestimmten Bedingungen straffrei.

 

Die aktive Sterbehilfe an Minderjährigen und Kindern sei ein nächster Dammbruch, und man müsse jetzt auf europäischer Ebene darauf drängen, dass die Unantastbarkeit des menschlichen Lebens nicht weiter untergraben wird. Der Europarat habe bereits Kritik an der belgischen Entscheidung geübt. Die Meinung, ein Leben könne lebensunwürdig werden, rüttle am Fundament jeder zivilisierten Gesellschaft, so die Begründung. Es sei ein Irrtum zu glauben, dass auch ein Kind mit klarem Bewusstsein seine Zustimmung zu Sterbehilfe geben und die komplexen Folgen einer derartigen Entscheidung verstehen könne, hatte er im Vorfeld den Abstimmung erklärt.

 

Kreuzriegler: „Entschiedene Ablehnung – kein Signalcharakter für Europa“

 

Die Katholische Jugend Österreichs (KJÖ) forderte am Freitag, „dieses Gesetz darf keinen Signalcharakter für Europa haben“. Mit der belgischen Regelung „wird der Schutzbedürftigkeit von Kindern und Jugendlichen in keiner Weise Rechnung getragen und Eltern werden zu einer Entscheidung über den Lebenswert ihres Kindes gezwungen“. Die Katholische Jugend - Österreichs größte Jugendorganisation - lehne dieses Gesetz daher „mit Entschiedenheit ab“, so Matthias Kreuzriegler, Vorsitzender der Katholischen Jugend Österreich.

 

Gemeinsam für Sterbehilfeverbot in Verfassung

 

In dem Zusammenhang sprachen sich Schaffelhofer,  Kurucz und Kreuzriegler erneut für die Absicherung des Verbots aktiver Sterbehilfe in Österreich in der Verfassung aus. „Die Katholische Jungschar Österreichs begrüßt, dass aktive Sterbehilfe in Österreich verboten ist und appelliert an die Gesetzgeber dafür zu sorgen, dass dies in Österreich auch weiterhin so bleibt!“, so Kurucz.

 

Die Festschreibung des Verbots in der Verfassung wäre laut Schaffelhofer ein klares Signal an ganz Europa und könnte die Debatte über die Sicherung der Menschenwürde an den Rändern des Lebens vorantreiben. „Man muss hier die Frage stellen: Welcher Gruppe von Menschen wird als nächstes von der Gesellschaft signalisiert, dass sie nur im gesunden und leistungsfähigen Zustand erwünscht ist und im anderen Fall bitte selbst dafür sorgen möge, sich möglichst unauffällig aus der Welt zu schleichen und das Leben anderer nicht weiter zu stören?“ (14.2.2014)

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