Freitag 28. April 2017
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Auswertung der Online-Umfrage

Mehr als 7.400 Personen nahmen an Online-Umfrage der Katholischen Aktion Österreichs teil – Großer Rückhalt für soziales und politisches Engagement der Kirchen

 

Große Mehrheit wünscht anderen Umgang der Kirche mit Geschiedenen

 

Eine große Mehrheit der Österreicher wünscht sich eine Änderung der Regeln der katholischen Kirche im Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen. Das hat eine Online-Umfrage des Zukunftsforums der Katholischen Aktion Österreichs (KAÖ) ergeben. 89 Prozent stimmten dabei der Ansicht zu, dass die Kirche „ihrem Auftrag zu heilen und zu versöhnen nicht gerecht wird, wenn sie keine Wege findet, geschiedene Wiederverheiratete wieder voll in die Gemeinschaft zu integrieren“ und zu Beichte und Kommunion zuzulassen. Nur sechs Prozent würden in einem solchen „barmherzigen“ Umgang mit Geschiedenen eine Gefährdung bestehender Ehe sehen. 87 Prozent raten der katholischen Kirche, dem Beispiel der orthodoxen und evangelischen Kirchen zu folgen und eine zweite kirchliche Heirat zuzulassen.

 

An der Umfrage haben mehr als 7.400 Personen teilgenommen, sie kann als repräsentativ eingestuft werden. In die Fragen war auch die vom Vatikan initiierte Umfrage zu Ehe, Familie und Sexualität eingearbeitet. Darüber hinaus wurden von der Katholischen Aktion Fragen zu den Bereichen Bildung und Arbeitswelt, zum politischen Engagement der Kirchen und zum Einsatz für Ökologie und Nachhaltigkeit gestellt.

 

Obwohl die Möglichkeit, eine Ehe für nichtig erklären zu lassen („Annullierung“), einem Großteil der Befragungsteilnehmer bekannt, sieht nur die Hälfte darin eine wünschenswerten Weg, die derzeitigen Probleme der Kirche im Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen zu mindern. 75 Prozent der Befragten halten es für richtig, wenn Paare vor der Heirat zusammenleben. Die kirchliche Ehevorbereitung betrachten lediglich 29 Prozent als hilfreich. In Fragen der Empfängnisregelung sehen sich nur sieben Prozent dem kirchlichen Nein zu künstlichen Verhütungsmitteln verpflichtet. 87 Prozent begrüßen, dass nationale Bischofskonferenzen die Entscheidung darüber dem Gewissen der Paare anvertraut haben.

 

Die Möglichkeit einer standesamtlichen Ehe für gleichgeschlechtliche Paare befürworten 65 Prozent, Segnungsgottesdienste für diese Paare 71 Prozent. Die Adoption von Kindern durch gleichgeschlechtliche Paare findet hingegen nur bei 41 Prozent Zustimmung. Dem Argument, dass auch solche Paare Kindern einen „stabilen Raum der Liebe“ bieten können, steht hier vor allem die Überzeugung entgegen, dass ein Kind für seine Entwicklung Vater und Mutter brauche.

 

Bei der Auswertung wurden drei deutlich unterscheidbare Vorstellungen von Ehe ausgemacht: 38 Prozent vertreten ein „säkular-personales“ Ehebild, in dem Ausgestaltung – und auch eventuelle Beendigung – der ehelichen Gemeinschaft Sache der Partner ist und in dem Glaubensaspekte keine Rolle spielen. 18 Prozent bekundeten ein „religiös-institutionelles“ Ehebild, in dem die Ehe stark religiös fundiert ist und daher als unauflöslich gilt. 45 Prozent vertreten eine Art Mischform zwischen beiden, ein„religiös-personales“ Ehebild, in dem die Ehe ebenfalls vorwiegend partnerschaftlich ausverhandelt wird, sie aber dennoch religiös verankert ist.

 

Diese unterschiedlichen Ehebilder bewirken auch starke Unterschiede in Einstellungen zu einzelnen Fragen. So meinen nur vier Prozent der „säkularen“ Gruppe, dass die Ehe dem Zeugen von Nachkommen dient, aber 46 Prozent der traditionell orientierten „religiös-institutionellen“ Gruppe. Ähnlich der Unterschied zwischen den beiden Gruppen in einem Ja zu einer Scheidung einer zerrütteten Ehe (95 Prozent zu 44 Prozent) und der Zustimmung zu einer standesamtlichen Ehe für gleichgeschlechtliche Paare (79 Prozent zu 35 Prozent).

 

Bemerkenswert ist allerdings, dass in anderen Fragen kaum Unterschiede zwischen den drei Gruppierungen auszumachen sind: So sind auch drei Viertel der Vertreter eines religiös-institutionellen Ehebildes für eine Änderung der Regeln zum Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen. Eine ebenso große Mehrheit in dieser Gruppe betrachtet die Empfängnisregelung als eine Angelegenheit des Gewissens der Partner.

 

Die erste Auswertung der Umfrage der Katholischen Aktion Österreichs wurde am Mittwochnachmittag in Salzburg mehreren Bischöfen präsentiert, mit der Bitte, die Ergebnisse auch beim bevorstehenden Ad-limina-Besuch der österreichischen Bischöfe in Rom einfließen zu lassen.

 

Die Präsidentin der KAÖ, Gerda Schaffelhofer, verwies auf die Seriosität der Umfrage und zeigte sich erfreut, wieviel Kompetenz der Kirche in gesellschaftspolitischen Fragen zugetraut wird. Sie warnte aber davor, aus der Umfrage nur jene Ergebnisse herauszupicken, die „genehm“ sind und nicht wehtun. Ein selektives Umgehen mit den Ergebnissen der Befragung  würde der Glaubwürdigkeit der Kirche nicht dienlich sein. „Jetzt sind wird gefordert, den Menschen zu zeigen, dass wir ihre Sorgen ernst nehmen, dass wir niemanden abschreiben, dass uns jede und jeder wichtig ist. Eine missionarische Kirche, wie der Papst sie in seinem apostolischem Schreiben Evangelii Gaudium skizziert und wünscht, wird sich dieser Aufgabe mit Freude und ohne Angst stellen.“   

 

Eine Spaltung in etwa zwei gleich große Lager offenbart die Umfrage im Blick auf bildungspolitische Themen. 52 Prozent erwarten zur Entlastung der Eltern eine Ganztagsbetreuung für Schülerinnen und Schüler, 58 Prozent befürworten eine Ganztagsschule. Auffallend ist, dass die Zustimmung zu Ganztagsbetreuung bzw. –schule unter den Jüngeren niedriger ist und mit dem Alter kontinuierlich steigt. Nur 45 Prozent sind für eine gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen, 37 Prozent lehnen eine Gesamtschule ab, 18 Prozent sind unentschieden. Gymnasien werden geschätzt, die Neue Mittelschule weniger.

 

Einig sind sich die Befragten, dass Schule nicht nur der (beruflichen) Ausbildung dienen muss, sondern Bildung in einem umfassenden Sinn leisten und Werte und Tugenden vermitteln muss. In diesem Sinne befürworten insgesamt drei Viertel der Befragten einen schulischen Religionsunterricht (34 Prozent) bzw. einen Ethikunterricht zusätzlich zum Religionsunterricht (40 Prozent). Einem Ethikunterricht anstelle des Religionsunterrichts können nur zwölf Prozent etwas abgewinnen, ein nur außerschulischer Religionsunterricht nur zwei Prozent fällt mit zwei Prozent Zustimmung völlig durch.

 

Für eine Anhebung der Qualität der Bildung wird den Pädagoginnen und Pädagogen die Schlüsselrolle zugesprochen. Daher sei auf ihre Ausbildung und ihre Arbeitsbedingungen ein besonderes Augenmerk zu legen. 64 Prozent sehen in guter Bildung ein wichtiges Mittel zur Verhinderung von Armut.

 

Mehr Möglichkeiten zu Eltern- bzw. Pflegeteilzeit

 

Als weitere Maßnahmen im generellen Kampf gegen Armut befürworten zwei Drittel ein Grundeinkommen für jedes Kind und eine gerechtere Verteilung der Arbeit. Für eine Senkung der wöchentlichen Arbeitszeit sprechen sich allerdings nur 29 Prozent aus. Die Möglichkeit zur Teilzeitarbeit für Väter und Mütter verlangen hingegen 94 Prozent. Erziehungs- und Familienarbeit – dazu wird auch die Pflege von Angehörigen gezählt – soll mit einem Eltern- bzw. Pflegegehalt abgegolten werden, meinen 77 Prozent.

 

Kritik wird an der neoliberalen Grundströmung der Arbeitswelt geübt. Sie führe zu immer stärkerem Leistungsdruck, zu Überlastung und zu einer Zurückdrängung anderer Lebensbereiche. Es fehle den Menschen an Zeit für sich, auch für Spiritualität und Tiefgang.

 

Politisches Engagement der Kirchen gefragt

 

Ganz eindeutig sprechen sich die Befragten für ein politisches – aber kein parteipolitisches – Engagement der Kirchen und Religionsgemeinschaften aus. Sie sollen sich verstärkt gegen Armut und für Frieden in der Welt einsetzen (90 Prozent), gegen Ausländerfeindlichkeit und für die Erhaltung der Umwelt (80 Prozent) sowie gegen die Benachteiligung von Frauen (77 Prozent). Der Forderung, die Religionsgemeinschaften sollen sich für eine bedingungslose Grundsicherung einsetzen, stimmen 50 Prozent zu. Dass sich Caritas und Diakonie zu sehr in innenpolitische Fragen einmischen, sehen nur 18 Prozent.

 

Die wachsende kulturelle und religiöse Vielfalt in Österreich wird von der Mehrheit als Reichtum angesehen, verbunden damit ist aber auch die Forderung nach sorgfältiger Gestaltung dieses Miteinanders. Die Kirchen müssten entschlossen gegen Ausländerfeindlichkeit und Fremdenhass auftreten, auch gegen Islamfeindlichkeit. Dazu brauche es einen weltanschaulichen Dialog, mit anderen Religionen, aber auch mit Agnostikern und Atheisten. Diesen Dialog dürfe man allerdings „nicht mit rosaroter Brille“ führen. Nicht der Privatisierung der Religion gehöre die Zukunft, vielmehr brauche es ein qualitativ neues Verhältnis von Religion und Politik.

 

 

Hohe Sensibilität zeigen die Umfrageteilnehmer für die Themen Ökologie und Nachhaltigkeit. Zwei Drittel stimmen zu, dass sie zu Gunsten der Umwelt ihren Lebensstil verändern müssen, 77 Prozent nennen auch konkrete Bereiche: Umstieg auf öffentlichen Verkehr, Verzicht auf Flugreisen, Energiesparmaßnahmen und Ökostrom, Bioprodukte und Fair Trade sowie Abfallreduktion. Die Kirche als „global player“ sollte hier mit gutem Beispiel vorangehen und sich stärker einbringen, so die überwiegende Meinung, auch durch eine explizitere „ökologische Spiritualität“. Papst Franziskus mache – gestützt auf den heiligen Franz von Assisi – diesbezüglich Hoffnung.

 

Die detaillierte Auswertung der KAÖ-Umfrage wird ab 15. Jänner über die KAÖ-Website (www.kaoe.at) abrufbar sein.

 

> www.wodruecktderschuh.at

        

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