Kaineder: Kirchen fördern klimaschonende Mobilität
Die Kirchen und Religionsgemeinschaften können Wesentliches zu einer klimaschonenden Mobilität beitragen, indem sie neue Haltungen und neue Zugänge zum Unterwegsein, zu Verkehr und Reisen fördern. Das unterstrich der Präsident der Katholischen Aktion Österreich (KAÖ), Ferdinand Kaineder, bei einer Veranstaltung zum Thema „Nachhaltig unterwegs – Aktion zur klimafreundlichen Mobilität“ am Mittwochnachmittag, 2. April, im Alpenvereinshaus in Wien.
Der Verkehr sei ein besonderes Sorgenkind im Blick auf den Klimaschutz. Aufgabe von Organisation wie der Katholischen Aktion sei nicht die Arbeit an neuer Verkehrstechnik, sondern Bewusstseinsbildung und das Eintreten für neue Rahmenbedingungen. Zu letzteren gehören die Förderung des öffentlichen Verkehrs und einer gemeinsamen Nutzung von Verkehrsmitteln, der Ausbau von Fuß- und Radwegen, ein Tempolimit von 80/100 sowie eine Raumplanung, die Verkehr reduziert und Nahversorgung sichert, so Kaineder.
Im eigenen Bereich achtet die Katholische Aktion darauf, dass Veranstaltungen mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sind; Reisen etwa nach Brüssel werden selbstverständlich mit dem Zug absolviert. Als weitere konkrete Beispiele nannte der KAÖ-Präsident die Initiative Weltanschauen (www.weltanschauen.at), die nachhaltiges, Ressourcen schonendes Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu Zielen in ganz Europa anbietet. „Jeder Flieger am Himmel ist einer zu viel“, so Kaineder. Ebenso gelte es, Alternativen zur Fixierung auf das Auto den Menschen nahezubringen, was u.a. durch Aktionen wie Autofasten (www.autofasten.at) und die „Schöpfungszeit“ im September (s. www.schoepfung.at).
Kaineder erinnerte an die Enzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus, die 2015 ein Meilenstein auf dem Weg zur Weltklimakonferenz in Paris gewesen sei. Das Dokument basiere auf der entscheidenden Erfahrung und Erkenntnis, dass „alles mit allem verbunden ist" - gegen eine fragmentarische Betrachtung der Lebensgrundlagen und aller Prozesse auf dieser Erde. „Die Welt wird immer kleiner zerstückelt, in ‚Produkte‘ für Konsument:innen aufbereitet“, hielt der KAÖ-Präsident kritisch fest. Das gelte auch für die Mobilität. Die Erfahrung eines gemeinsamen Unterwegsseins gehe dabei verloren. Dieser Entwicklung, verbunden mit dem Zwang zu einer immer stärkeren Beschleunigung, gelte es sich bewusst zu entziehen und auch öffentlich entgegenzutreten.
Gemeinsam für klimafreundliche Zukunft
An der Veranstaltung „Nachhaltig unterwegs“ wirkten der Alpenverein (Sektion Austria), die Naturfreunde, der ÖGB, die Katholische Aktion und Österreichische Verkehrswissenschaftliche Gesellschaft (ÖVG) mit. Nach dem Vorbild der Sonntagsallianz wollen sich kirchliche und säkulare Organisationen künftig verstärkt gemeinsam für eine klimafreundliche Zukunft einsetzen, hieß es im Laufe der Veranstaltung.
Klimafreundlichkeit in Österreich dürfe nicht als "Luxus" gesehen werden, sondern müsse "sozial gedacht, gemeinschaftlich getragen und politisch gestaltet werden", betonte Bischof Alois Schwarz. "Eine klimafreundliche Mobilität ist mehr als eine technische oder politische Herausforderung, sie ist eine Frage der Gerechtigkeit, der Verantwortung und Haltung", lobte Schwarz, der innerhalb der Österreichischen Bischofskonferenz für die Bereiche Umwelt und Nachhaltigkeit zuständig ist, das Engagement der Interessengruppen. Der gemeinsame Einsatz für die Umwelt müsse in Österreich so stark werden, "dass die Schönheit der Schöpfung erhalten bleibt". Eine "gerechte Mobilitätswende" müsse daher alle mitnehmen: das Schulkind am Land und den Pendler, der in die Stadt oder entlegene Regionen fährt, so der Diözesanbischof von St. Pölten.
(jop/21.3.2025)